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Die kubanische Graphik wurde im 18. und 19. Jahrhundert weltweit bekannt. Meister wie Collot, Mialhe und Laplante gestalteten Tabak- und Rumetiketten und Plakate, welche sowohl technisch anspruchsvoll waren als auch kulturelle Aspekte zum Ausdruck brachten, so dass „eine sympathische Synthese von Kunst und Kommerz entstand“ (Hernando Guerrero).
Der wirtschaftliche Niedergang dieser Industrien und der Aufschwung von politischen Diktaturen und einer dem entsprechenden Engstirnigkeit bewirkte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein fast völliges Verschwinden vom künstlerischen Aspekt.
1949 formierte sich unter der Leitung von Armando Posse die „Vereinigung der Kubanischen Graphiker“ (Asociación de Grabadores Cubanos), welche vornehmlich mittels Holzschnitten versuchten dem entgegen zu wirken, ähnlich den deutschen Expressionisten die, mit der gleichen Technik, die Schrecken ihrer Gesellschaft am Vorabend des Weltkrieges anprangerten – in Kuba waren es die Schrecken der Batista-Diktatur am Vorabend der Revolution. Und als diese im Jahr 1959 siegte, bot sich die direkte Ausdrucksweise der Graphik, um deren Euphorie und Dynamik zu verbildlichen.
1962 wurde in Havanna die Werkstatt für Experimentelle Graphik (Taller de Experimental de Gráfica) gegründet die, mit Hilfe von spanischen und mexikanischen Meistern und den aus dem Exil zurück gekehrten Avantgardisten, zu einer Keimzelle der gegenwärtigen kubanischen Kunst wurde, wo künftigen Größen wie Sosabravo, Choco, Nelson Domínguez oder Angel Ramírez experimentierten, lernten und lehrten.
Und auch, als die Kunstakademien ISA und ENA gegründet wurden, blieb diese Werkstatt mit ihren alten Handdruckern weiterhin ein Zentrum für die Entwicklung der modernen kubanischen Graphik.
Katalog 3 beginnt mit einem Gemeinschaftsprojekt von 19 Künstlern, das am 9. Juli 2004 unter dem Titel „Dando y dando“ in der Galerie „Villena“ in Havanna vorgestellt und von Kritikern als Kunstereignis des Jahres gefeiert wurde.
Das Projekt entstand unter der Leitung von Angel Ramírez, einem der wichtigsten Graphiker, Maler (siehe Katalog 1) und Intellektuellen der gegenwärtigen kubanischen Kunstszene.
„Dando y dando“ bezieht sich auf die Illusion von Macht und Herrschaft, und deren lähmende Wirkung auf die Entwicklung der Menschheit.